Verfasst von: kopfgefickt | 13. Februar 2013

unterschiede

ich habe mein leben damit verbracht, anders zu sein als meine mutter.

meine mutter hat nie nennenswert gearbeitet, aber immer einen dummen gefunden, der sie finanziert. männer, meine geschwister, andere männer, jetzt den staat. sie hat immer andere für ihr leben verantwortlich gemacht. immer darauf bestanden, bestimmte dinge stünden ihr zu, weil sie ja tochter/freundin/mutter/frau ist. hilfe von ihr ist und war nie zu erwarten. sie kann ja nicht, weil…

all dies habe ich mein leben lang gehört, meine frühkindlichen erfahrungen mit den „neuen“ zusammengeführt und ich kann heute mit bestimmtheit sagen:

ich bin nicht wie meine mutter.

es mag körperliche ähnlichkeiten geben, aber alles andere ist das genaue gegenteil.

ich habe einen job und verdiene damit gutes geld inzwischen.

ich falle nicht von einer beziehung in die nächste und lasse mich nicht von meinen männern finanzieren.

ich frage nicht einmal meine großeltern nach geld, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.

ich habe keine kinder mit 20 bekommen und weggegeben.

ich habe keine kinder, die meinen lebensunterhalt mitfinanziert haben.

ich kann mich selbst reflektieren und fehler zugeben.

ich. bin. nicht. wie. meine. mutter. nicht. im. geringsten.

der preis, den ich dafür zahle, ist hoch.

meine gefühle hingen immer an männern, die mich nicht wollten – so wollte ich das trauma meiner kindheit umkehren und habe es stattdessen immer wieder bestätigt.

darum vertraue ich mit kindlicher verzweiflung jedem menschen, der auch nur ansatzweise andeutet, dass er mich mag.

darum schubse ich aber auch panisch jeden menschen weg, der das wirklich zeigt – weil ich panische angst vorm verlassenwerden habe.

verlassen zu werden ist schlimmer, als einsam zu sein.

die menschen um mich herum, sie alle landen nach und nach in festen bahnen. beziehungen, kinder. kein platz mehr für mich.

einerseits wünsche ich mir nichts mehr, als das auch zu haben. andererseits enden alle versuche in katastrophen.

mit anfang 20 war es okay, allein zu sein. mit mitte 20 war es auch noch okay. mit 30 war es langsam seltsam. mit fast 35 ist es traurig.

vor allem, wenn man weiß, dass man nur endlich diesen schalter finden müsste, der dafür sorgt, dass die ratio wieder über die dreijährige gewinnt.

Verfasst von: kopfgefickt | 18. Januar 2012

das jahr des drachen

ein jahr, zwei tage, 12 stunden. ohne dich.

ein jahr, zwei tage und 12 stunden, in denen ich durch die hölle gegangen bin. in denen ich immer wieder zusammenbrach. in denen ich immer weiter heilte.

ein jahr, zwei tage und 12 stunden, in denen ich mich immer wieder frage, ob du inzwischen ehrlichkeit in dein leben gelassen hast, lassen musstest, weil ich es provozierte. oder ob du wie immer mehr kraft und zeit auf blumige ausreden und geschichten verwendet hast, um deine fehler zu kaschieren.

ein jahr, zwei tage und 12 stunden, nach denen ich mich frage, ob deine kinder inzwischen ihre großeltern kennen und umgekehrt. nach denen ich mich frage, ob du endlich den mut hattest, deinen eltern reinen wein einzuschenken. aber vermutlich hast du es nicht getan. weil du bei diesen dingen immer versagt hast.

du. hast. versagt.

du. bist. ein. versager.

deine eltern hatten recht. du bist das bild im lexikon neben dem wort „versager“ und neben „gescheiterte integration“. du bist das bild im lexikon neben „muttersöhnchen“. im brustton der überzeugung und mutig verkündest du hier, dass du auf keinen fall das erbe deines vaters antreten willst. gleichzeitig windest du dich um die entscheidung, deutscher staatsbürger zu werden, um deinen vater nicht vor den kopf zu stoßen und nicht zu riskieren, enterbt zu werden.

respekt. „du musst respekt haben.“ waren deine worte immer wieder. aber respekt bekommt man nicht geschenkt, den muss man sich verdienen. darum haben deine eltern keinen vor dir. weil du ihn nicht verdienst. darum wird ihnen nie genug sein, was du bist und wer du bist, weil du nicht wie sie bist. daran können auch ganze wolkenkratzer aus verschwiegenen fakten und lügen nichts ändern. selbst, wenn du so wärest, wie sie dich wollen, hätten sie keinen respekt.

aber das wirst du nicht verstehen. genauso wenig wie du verstehst, was du deinen kindern, ihr und mir angetan hast und vermutlich immer noch antust. weil dein falscher stolz dich davon abhält, deine fehler zuzugeben. weil du unfähig bist, dich selbst zu reflektieren und deine fehler wiedergutzumachen. weil du deine zeit und kraft lieber dafür aufwendest, andere verantwortlich zu machen, damit du im besseren licht dastehst. vor allem vor dir selbst.

du belügst vor allem dich und das seit 35 jahren. vielleicht hast du einfach nie gelernt, wie entspannend es sein kann, ehrlich zu sein. nicht immer etwas verbergen zu müssen. selbst die kleinste notlüge zieht immer einen rattenschwanz an weiteren lügen hinter sich her. hier spielst du den integrierten kurden, bei deinen eltern den braven sohn. hier beklagst du die fehler deiner eltern und begehst sie konsequent selbst. und das, obwohl du seit 12 jahren siehst, dass es anders geht.

du hast versagt.

menschlich. beruflich.

selbst dein job steht auf wackeligen füßen. wenn dort rauskommt, was du alles verschwiegen hast, wäre das locker ein kündigungsgrund. weil du rechtlich relevante fakten verschwiegen hast.

und bei all dem glaubst du immer noch, du wärst der held. hättest ein recht, dich über mein verhalten zu beschweren. verstehst nicht, dass das einzige, was du tun kannst, eine entschuldigung ist. die und vor allem, deine fehler auszubügeln. deine kinder und ihre mutter endlich zu legitimieren. das einzige, was du tun kannst, ist ehrlich sein. und genau das kannst du nicht. weil du ein feiges würstchen bist. du fürchtest die konsequenzen, die deine ehrlichkeit für dich haben könnte mehr, als die konsequenzen, die dein verhalten auf die beiden kinderseelen hat, für die du verantwortlich bist. du bist dir wichtiger als deine kinder.

loser.

Verfasst von: kopfgefickt | 12. September 2011

muster.

lachen, auch wenn das herz weint.

lächeln, auch wenn die seele sich sehnt.

stark sein, auch wenn man nichts anderes möchte als sich einrollen.

kämpfen, auch wenn man streicheln will.

weitergehen, auch wenn man ruhe braucht.

optimismus verbreiten, auch wenn man selbst nicht an das gute glaubt.

trösten, auch wenn man selbst den trost nötiger hätte.

halten, auch wenn man selbst keinen halt mehr findet.

schlafen, auch wenn der morgen verrät, dass der versuch erfolglos war.

hoffen, auch wenn neue enttäuschungen kommen.

vertrauen, auch wenn man oft getäuscht wurde.

kraft vortäuschen, die nicht da ist.

alte muster, alte masken. sie bahnen sich ihren weg zurück. und ich habe ihnen nichts entgegen zu setzen.

ich weiß nicht, wofür ich meine kraft zuerst aufwenden soll. das geld, das immer fehlt? die leute um mich herum, die mich nicht kennen? denen ich noch nicht vertraue, vertrauen kann? den kampf gegen behörden und andere windmühlen? den kampf um meine innere ruhe?

wo fange ich an? sie sagen: bei dir. tu dir was gutes.

was mir gut tun würde, wäre ein urlaub. dafür fehlt das geld.

was mir gut tun würde, wäre die lösung aller finanziellen probleme. woher nehmen und nicht stehlen?

was mir gut tun würde, wären arme, die mich nachts festhalten und mir sagen, dass alles gut wird.

was mir gut tun würde, wäre …. ruhe.

doch in meinem leben gibt es nur kurze verschnaufpausen. ich bin nicht herrin dessen, was mit mir passiert. immer wieder staune ich, wie sehr äußere umstände mich doch herumschleudern, gewalt über mich bekommen, mich erstarren lassen. in letzter zeit erstarre ich nicht mehr zur salzsäule, sondern ich werde wütend. kämpfe. und habe am ende das gefühl, völlig leer zu sein, auch wenn ich erfolge erringen kann. so ein tag ist heute. ich habe einen erfolg errungen, aber der triumph ist schnell verflogen. die dämonen der nacht warten schon in meinem bett, meine schultern und mein nacken kennen sie. ich bin das bild im lexikon neben dem begriff „spannungkopfschmerz“. er ist ein zuverlässiger begleiter. anfangs konnte ich mir einreden, es läge am schreibtischjob, aber mit den jahren funktioniert das nicht mehr. massagen bringen kurze linderung, wenn die triggerpoints gelöscht sind, dauert es manchmal eine woche, bis die spannung wieder da ist.

wo soll sie auch hin? ungelöst.

sie sagt, ich wirke entspannter. in diesem moment wird mir klar, wie wenig sie mich nach 1,5 jahren therapie kennt. und ich war immer kooperativ, habe nie verschwiegen, wollte ja, dass die therapie was bringt. als sie das sagt, sitze ich mit angespannten schultern und einem inneren gefühl des gehetztseins vor ihr. einem gefühl, das sich rational nicht erklären lässt.

ich kann nicht erklären, warum ich so fühle, wie ich fühle. sicher, der druck von außen hat wieder zugenommen. kontopfändung, rennereien zum finanzamt und zum jobcenter, zur bank. der kampf um das wenige geld, das ich überhaupt habe.

andererseits: ein neuer job. ein tolles team. menschen um mich herum, die mir zu verstehen geben, dass sie an mich glauben, ich ihnen wichtig bin. und ausgerechnet bei ihnen setzt der mechanismus ein, der mich schützen soll. ich blocke ab, innerlich, und ich merke es. ich versuche, eine distanz aufrechtzuerhalten. in meinen früheren firmen war ich von anfang an immer vertrauensselig, war auf gute kontakte und gute laune aus. jetzt? ich mache meinen job, bin freundlich und so verbindlich, wie es sich eben gehört. da sind menschen, die mir die hand reichen und ich will sie wegschlagen und sagen: lass das! ich mach das! so, wie ich es als kind immer gemacht habe.

dieses kind in mir… es bestimmt wieder mehr. seit der trennung, mit der dem kind das trauma von einst wieder angetan wurde, ist es wieder aktiver. es aktiviert alte muster. es schluckt und unterdrückt gefühle, um zu überleben. es setzt die starke „mach dir um mich keine sorgen“-maske auf, die früher wichtig war, um zu überleben und meinen bruder zu beschützen. es schottet mich ab, um seine kleine welt übersichtlich zu halten. es will auf den schoß, will weinen und getröstet werden und traut sich nicht, dies zu sagen. weil schwäche tödlich sein kann in seiner welt. schwäche bedeutet, die kontrolle zu verlieren und die ist wichtig, wenn man beschützen will. es will sich einrollen und die decke über den kopf ziehen, aber das traut es sich nicht, denn wer in der höhle sitzt, sieht nicht was draußen passiert. es will glauben, aber es wurde zu oft enttäuscht und kann nicht riskieren, dass dem kleinen was passiert. es muss doch aufpassen auf ihn!

das kind ist wieder da. es ist immer noch dreieinhalb jahre alt und es hat die seele eines erwachsenen. es kennt keine unbeschwertheit, kein befreites lachen und spielen, denn es muss immer aufpassen. es ist traurig und darf es nicht sagen. mama verlässt sich auf es, wenn sie nachts um die häuser zieht. wenn draußen ein gewitter tobt, ist das kind besonders aufmerksam, denn der kleine fürchtet sich. es hält seine hand und beruhigt, singt ihm lieder.

erinnerungen einer dreijährigen. erinnerungen, die sich nicht auslöschen lassen und immer lauter werden. wie bekomme ich dieses kind nur groß?

Verfasst von: kopfgefickt | 3. Juli 2011

frei sein.

und dann ist sonntag nachmittag. es war ein ruhiges wochenende. keine parties, keine saufgelage, keine clubs. nur essen und quatschen mit einem lieben freund. musste auch mal wieder sein.

im tv läuft „my big fat greek summer“. ich hänge ab, die katze schnurrt in meinem arm. es wird ein wenig rührselig. ein tränchen macht sich auf den weg, dann noch eines. aber sie sind nicht heiß, nicht bitter. sie sind nicht ausdruck von traurigkeit oder demütigung. sie sind einfach tränen der rührung über die süße filmszene.

kleine und große dämonen habe ich besiegt in diesen letzten wochen und monaten. kleine und große medusen waren dabei, denen ich einen kopf abschlug, nur um mich dann zwei neuen köpfen gegenüber zu sehen. schritt für schritt gehe ich diesen weg. manchmal ist es nebelig, ich verliere die orientierung, suche halt. finde eine hand. dann lichtet sich der nebel und ich sehe, dass ich ein stück zurück gestolpert bin. macht aber nichts. gehe ich das stück eben nochmal.

ich muss nicht morgen ankommen. ich habe zeit. niemand wartet dort auf mich, wo ich hingehe. aber vielleicht findet mich jemand dort. jemand, der mein wundes herzchen heilt und es wieder zum hüpfen bringt. obwohl – gerade hüpft es ja. es hat sich freigeschlagen. hat die seile zum bersten gebracht, mit denen du mich an dich gefesselt hast. vielleicht hat es ein paar seile übersehen, wer weiß. aber im moment schwebt es wie ein heliumballon und strahlt.

und dieses strahlen stiehlt sich in meine augen. lässt sie glitzern. lässt mich lachen. einfach so, ganz befreit. ohne an dich denken zu müssen.

ich wollte frei sein. und ich bin frei.

Verfasst von: kopfgefickt | 7. Juni 2011

was ich mir wünsche.

ich wünsche mir einen freien tag.

einen tag frei von den gedanken an dich.

einen tag frei von der bitterkeit.

einen tag frei von der traurigkeit.

einen tag frei von den erinnerungen.

einen tag frei von deinen augen.

einen tag frei von den szenen, die immer und immer wieder in meinem kopf ablaufen.

einen tag frei von den assoziationen, die orte, daten und worte in mir auslösen.

einen tag frei von den gefühlen, die du in mir ausgelöst hast.

einen tag frei von der trauer um das, was wir hätten sein können.

einen tag frei von „was wäre gewesen, wenn?“.

einen tag frei von diesem gefühl, dass das wasser mir bis zum unterlid steht.

einen tag frei von dem seltsamen gefühl, wenn ich irgendwo bin, wo du auch sein könntest.

einen tag frei von dem seltsamen gefühl, wenn ich irgendwo bin, wo wir zusammen waren.

einen tag frei von der demütigung, die du mir angetan hast.

einen tag frei von meinen schuldgefühlen.

einen tag frei von deinem geruch.

einen tag frei von dem gefühl deiner haare, wenn ich sie gekrault habe, während du auf meinem schoß lagst.

einen tag frei von deinen worten, so widersprüchlich.

einen tag frei von deinen liebesbekundungen.

einen tag frei von deinen küssen in meinen nacken im halbschlaf.

einen tag frei.

einen tag frei von dir.

Verfasst von: kopfgefickt | 15. Mai 2011

traumhaft.

einer dieser partyabende bei irgendwem. sie kennt das zimmer nicht, in dem die gruppe sitzt. der alkoholpegel ist noch nicht so hoch, dass es ausfälle geben würde. im gegenteil. die unterhaltungen sind tiefsinnig. politische themen kommen auf. integration. die arabische welt. demokratie. religion. tradition. ihr thema. sie hat was zu sagen zu diesem bereich. sie kennt sich aus.

plötzlich hört sie eine bekannte stimme hinter sich. „du kennst dich gut aus.“ „zwangsläufig.“, antwortet sie, ohne sich umzudrehen. „ich wollte das alles nicht.“ jetzt dreht sie sich um. er. das geliebtgehasste gesicht. er lächelt sie an, seine augen sind traurig. der raum verschwimmt. sie sind allein. „ich wollte dir nicht wehtun.“, sagt er. „du hast es vielleicht nicht gewollt, aber in kauf genommen.“,  antwortet sie mit einer stimme, deren festigkeit sie selbst überrascht.

„ich habe es wirklich versucht“, sagt er. „nein. dann hättest du vieles anders gemacht.“ er nimmt ihr gesicht in beide hände. sie fühlt, wie das wasser sich in ihren augen sammelt und eine träne ihre linke wange herunter rinnt. „nicht weinen. nicht meinetwegen.“ sie sieht ihm fest in die augen. „in den letzten 12 monaten habe ich nur deinetwegen geweint. und es hat dich nicht interessiert.“ „das stimmt nicht. ich wusste nur nicht, wie ich es ändern kann.“ „du hättest einfach nur ehrlich sein müssen.“

er nimmt sie in den arm. der vertraute duft seiner haut raubt ihr die sinne. „ich kann mich ändern.“ seine stimme flüstert verheißungsvoll.“ „nein. kannst du nicht. du weißt es, ich weiß es.“ „aber wir hatten doch auch schöne zeiten.“ „einen monat von neun. ansonsten stress, vorwürfe, diskussionen, wochenlanges nichtmelden und stänkern. verletzungen. nein.“ „aber liebst du mich nicht mehr?“ „ich weiß es nicht. aber ich weiß, dass ich mich liebe und mir sowas nicht nochmal antun werde.“

in diesem moment löst er sich in luft auf. sie sitzt wieder in dem raum der party. die leute reden immer noch. niemand bemerkt die trocknenden tränen auf ihrem gesicht. lächelnd nimmt sie einen schluck. ihr herz fühlt sich an, als hätte jemand ein vorhängeschloss davon entfernt. „wollen wir tanzen?“ fragt sie in die runde und lacht.

so einen traum nennt der psychologe wohl einen durchbruch.

Verfasst von: kopfgefickt | 6. April 2011

einer dieser tage.

heute ist einer dieser tage, wie ich sie hasse. weil sie von dir bestimmt werden. weil sie damit beginnen, dass ich aufwache und mir wünschte, als erstes in deine augen zu schauen. mir wünschte, deine vertraute stimme zu hören, deinen zärtlichen hände zu spüren, zu spüren, wie du mich in die arme schließt und mich küsst. einer dieser tage, an denen ich mich in einen beliebigen tag unserer ersten drei monate zurückwünsche, in dieses kribbeln, wenn ich dich sah oder nur an dich dachte, dieses ziehen, wenn du nicht da warst und ich wusste, dass ich dich erst am abend sehen würde, das freudige hüpfen meines herzens, wenn du im chat auftauchtest.

aber stop: die ersten lügen und betrügereien fielen ja schon in diese zeit. spätestens nach noch nicht einmal vier wochen hast du mich das erste mal belogen, mir gesagt, du fährst auf eine dienstreise, hast dich von dort nur einmal gemeldet, um mir von den trockenen keksen im konferenzraum zu berichten, hast am tag deiner rückkehr ein treffen abgelehnt und meine enttäuschung und mein unverständnis als übertreibung abgetan. nunja, man könnte dir zugute halten, dass du immerhin nicht an einem tag in zwei betten gevögelt hast, sondern dir einen tag zeit gelassen hast damit. ich bin an diesem wochenende zerflossen vor sehnsucht, hatte mitleid mit dir, dass deine firma dich so in beschlag nimmt. habe allen, die es wissen wollten und auch denen, die es nicht wissen wollten, von dir vorgeschwärmt. erwartete deine rückkehr mit einer sehnsucht, die mir selbst unheimlich war.

heute ist einer dieser tage, an denen ich mir wünschte, ich hätte dich nie getroffen. weil ich dann jetzt nicht an dich denken müsste. weil mein dummes dummes herzchen mir dann nicht einflüstern würde, dass wir uns nichts mehr wünschen, als dass du dich meldest, anrufst. an manchen dieser tage stelle ich mir vor, dass du vor meiner wohnungstür sitzt, mit blumen im arm. oder dass du unter meinem fenster stehst und nach mir rufst. mir eine liebeserklärung machst, die alle hören sollen. und dann fällt mir wieder ein, wie du mich systematisch vor deinen freunden verheimlicht hast. wie du meinen fragen, ob wir uns nicht mal mit denen zusammen treffen wollen, ausgewichen bist. wie du mich dann oft einfach verführt hast, um mir den mund zu verschließen. mir fällt wieder ein, wie oft ich auf dich gewartet habe, weil du unsere treffen eher als lockere vereinbarung denn als termin wahrgenommen hast. und der gedanke kommt, ohne dass ich ihn blocken könnte: wäre ich doch nur… hätte ich doch… warum hab ich nicht?

es ist einer dieser tage, an denen mein herz dir freudestrahlend vergeben würde. wissend, dass der kopf nicht mitspielt, sich aber vom herzen überreden ließe. es ist einer dieser tage, an denen ich weinen möchte. um mich, mein herz, die zeit, um uns, um dich, um mein zerstörtes vertrauen, um meinen stolz, um alles, was ich mit dir verloren habe. unser jahrestag rückt näher. vielleicht liegt es daran. und vermutlich werde ich an diesem tag heulend im bett liegen.

die angst, dir zu begegnen, lässt mich umwege fahren. ich benutze andere buslinien und andere ubahnen. wenn es nicht anders geht, als „deine“ wege zu nehmen, schaue ich mich ständig wie ein gehetztes tier um, jederzeit gefasst, dich zu sehen und wissend, dass ich alles andere als darauf gefasst bin. ich bete, dass du nicht in „unseren“ club kommst, wenn ich da bin. und ein kleiner splitter in meinem herzen wünscht sich nichts mehr als das. dieser kleine splitter wünscht sich, dass wir einfach nur das gewesen wären, was wir am anfang zu sein schienen. keine lügen, keine betrügereien, keine vorwürfe, kein streit. einfach nur liebe, rosa herzchen überall, die wochenenden im bett verbringen und nur zum essen kurz aufstehen. rumknutschen, bis das kinn von deinen bartstoppeln glüht, rumvögeln, bis wirklich alles wehtut und trotzdem vor glück zergehen. so ein tag ist heute. und ich hasse dich dafür, dass dein bann noch immer wirkt. ich hasse mich dafür, dass ich so schwach bin, ihm zu erliegen. zumindest tageweise.

ich hasse dich dafür, dass du mir das gefühl gibst, das letzte stück wertloser dreck zu sein. dafür, dass du mich gedemütigt hast bis aufs blut. dafür, dass du mir den boden unter den füßen weggezogen hast. dafür, dass ich deinetwegen wochenlang angst vor meinem bett hatte, weil ich nicht schlafen konnte. dafür, dass du dich noch immer in meine träume schleichst. ich hasse dich dafür, dass du mich benutzt hast. dafür, dass du so feige bist, dass dir nicht einmal deine mutter heilig genug ist, um sie nicht für deine lügengebäude zu benutzen. dafür, dass du mir das gefühl gibst, dass meine fähigkeit absolut zu lieben und zu vertrauen ein fehler ist, den ich nie wieder machen darf. dafür, dass ich selbst in seinen armen an dich denken muss. ich hasse dich dafür, dass ich dich so sehr geliebt habe wie noch nie jemanden zuvor in meinem leben. und dafür, dass ich deinetwegen gelitten habe wie noch nie in meinem leben.

heute ist einer dieser tage. aber sie werden seltener.

Verfasst von: kopfgefickt | 17. März 2011

nur du. nie wieder.

nie wieder wirst du in meinen blauen augen ertrinken.

nie wieder wirst du mich „prinzessin aus dem hohen norden mit den schönsten blauen augen“ nennen.

nie wieder wirst du mir im halbschlaf den hals küssen und dabei die sichere umarmung noch ein bisschen fester machen.

nie wieder wirst du auf diesem schoß liegen und wie ein kleiner junge selig lächelnd einschlafen, weil ich dir den kopf kraule.

nie wieder wirst du mich auf der couch im arm halten.

nie wieder wirst du diese weiche haut berühren.

nie wieder wirst du mich verschwitzt stöhnen hören „oh liebster“.

nie wieder wirst du von mir „gorgeous“ genannt werden.

nie wieder wirst du diesen hintern sehen, den du immer so geliebt hast.

nie wieder werde ich dir die erlaubnis geben, mich zu fesseln.

nie wieder wirst du diesen sex haben, den wir hatten.

nie wieder wirst du nachts deine arme um mich legen und morgens mit einem lächeln neben mir aufwachen.

nie wieder wirst du mich für deine fehler verantwortlich machen.

nie wieder wirst du mir ein schlechtes gewissen machen, weil deines dich umbringt.

nie wieder wirst du mir haltlose vorwürfe machen.

nie wieder wirst du mich belügen.

nie wieder wirst du mich betrügen.

nie wieder wirst du von mir hören „ich liebe dich mehr als mein leben“.

nie wieder.

nie. wieder.

nie.

nur du hattest die geduld, dir mein vertrauen zu erschleichen.

nur du hattest die kraft, mir das gefühl zu geben, die tollste frau der welt zu sein.

nur du durftest dinge zu mir sagen, für die andere längst eine ohrfeige gefangen hätten.

nur du konntest mir so wehtun, dass es mich schier zerriss.

nur du konntest mir so den boden unter den füßen wegziehen, dass ich dachte, ich würde nie wieder aufstehen.

nur du konntest mir das gefühl geben, der letzte dreck zu sein.

nur du konntest mich dazu bringen, mich für meine liebe und mein vertrauen dir gegenüber zu schämen.

nur du.

nur. du.

du.

du allein bist schuld daran, dass aus „nur du“ ein „nie wieder“ geworden ist.

nur du? nie wieder!

Verfasst von: kopfgefickt | 13. September 2010

vorbei?

mein liebster,

wie beendet man etwas, das man nicht beenden will? wie sagt man etwas, das man nicht sagen will?

du weißt, dass ich dich liebe, mehr als das meiste in meinem leben. das letzte, was ich will, ist dich zu verlieren. und doch denke ich, es ist gesünder für mich zu gehen. weil zuviel da ist, was mir wehtut, was mir zu denken gibt. zuviel, von dem du nicht weißt oder doch, und es nicht ernst nimmst.

ich kann nicht mit jemandem zusammen sein, der mir offen ins gesicht sagt, dass er sich eine zukunft mit mir nicht vorstellen kann. ich kann nicht ewig auf das „das kommt schon noch, mach dir keine sorgen“ warten. ich kann mit der aussage „du kannst da nichts machen, sei einfach, wie du bist“ nichts anfangen. all das klingt für mich zu sehr nach ausrede, nach flucht aus einer beziehung, die du am anfang mehr wolltest als ich und jetzt ist es eben umgekehrt.

an unserem ersten abend sagtest du mir, du bist an einem punkt in deinem leben, an dem es dir nicht mehr reicht, einfach nur zu gucken, was aus einer sache zwischen zwei menschen wird, dass du perspektiven suchst, zukunft, familie. ich habe mich damit arrangiert, weil die idee mir mit der zeit verlockend erschien. und je mehr ich das tat, desto mehr bist du davon zurück gewichen.

ich bin diejenige, die kompromisse eingeht, die verzeiht und immer wieder vertraut. du gehst keine kompromisse ein. entweder, du setzt dich durch oder eben nicht. jedes gespräch, und vor allem jeder chat mit dir ist zum minenfeld geworden. immer überlege ich, ob ich das jetzt so sagen oder schreiben kann. du machst dir da überhaupt keinen kopf und redest drauflos. auch im bewusstsein, mich zu verletzen.

ich habe viel hingenommen, aber ich weiß nicht, wie ich das weiter ertragen kann. und warum ich es sollte. wofür? eine zukunft haben wir ja eh nicht, nach deiner aussage. es gibt 1001 begründung und ausreden, mit mir das leben nicht planen zu können. vor allem angeblich meine vergangenheit, die tatsache, dass es vor dir andere männer gab. dass ich in meinem leben nicht sehr gut zu mir war, mich selbst erniedrigt habe. wer sagt mir, dass dein „das kommt schon“ nicht irgendwann beendet wird, weil du doch jemanden gefunden hast, aus deinem kulturkreis, der keine vergangenheit hat? der damit leben kann, dass ihr orientalen lieber wüste lügengeschichten erzählt als eine unangenehme wahrheit auszusprechen? mit dem du nicht über deine gefühle reden musst, weil sie es auch nicht tut? der dir die möglichkeit gibt, so zu leben, wie deine eltern: nebeneinander her und nie ganz ehrlich?

ich möchte meinen mann nicht anlügen müssen. ich möchte nicht jedes wort bedenken müssen. ich möchte eine sicherheit haben, dass dieses „wir“ nicht nur in meinem kopf stattfindet, sondern realität ist. ich vermisse deinen rückhalt, deine hand in meinem rücken, die mir sagt: ich bin da, egal was passiert.

du hast mir gesagt, in deiner firma sind alle wie wölfe und sobald du ihnen eine schwache stelle zeigst, zerreißen sie dich. genau das tust du mit mir auch. du hast meine schwächen erforscht, mich in dem glauben gewiegt, dass ich bei dir schwach sein darf und jetzt nutzt du dieses wissen, um mich klein zu halten, gefügig zu machen.

ich habe nicht ein jahr therapie hinter mir und meinen selbstwert neu kennengelernt, um mir das anzutun. und darum: …

Verfasst von: kopfgefickt | 23. Juni 2010

müde…

…bin ich. müde des ewigen kämpfens gegen windmühlen. müde des ewigen existenzkampfes. müde der ewig kreisenden gedanken um das kommende wochenende. müde der ewigen gedanken überhaupt. müde der schwere, die meinen kopf belastet. müde der unfähigkeit, diese schwere auszuschalten. müde der schweren gedanken und sorgen, die mich täglich belasten. müde der geldnöte. müde des „von der hand in den mund lebens“. müde müde müde.

und doch kenne ich mich gut genug, um zu wissen, dass ich auch diesmal weiter kämpfen werde. dass ich wie immer weiter machen werde. wie lange geht das gut? wie lange kann man kämpfen ohne durchzudrehen? wie lange kann man weitermachen, sich einen weg durchs gestrüpp bahnen, ohne umzufallen? wie lange kann man sich selbst motivieren, ohne dass von außen wirklich erfolge sichtbar sind? wie lange kann man sich einreden, dass der momentane engpass ein temporärer ist? wie lange kann man kämpfen?

und wie lange verdammt will sich mein gefickter kopf noch querstellen gegen diesen wundervollen mann an meiner seite. der mich liebt, nur dafür, dass ich da bin. der mir sagt, dass er stolz auf mich ist für meine stärke. der mich einfach nur festhält, wenn es mir schlecht geht und mir dagt, dass es besser wird. der mir den rücken freihält. der mir sagt, ich brauche mir keine sorgen mehr zu machen, weil ich jetzt ihn habe. der mir das gefühl gibt, die schönste frau der welt zu sein. der da ist, einfach nur da. für mich, ganz exklusiv. um den ich nicht kämpfen muss, der um mich kämpft und sich zentimeter für zentimeter in meinem herzen erkämpft hat. dieser mann, den ich liebe. und doch ist da eine mauer in meinem kopf, die es nicht zulässt, dass ich mich zurücklehne. doch sind da diese ganzen dinge, die mich vom genießen ablenken.

wann hat das endlich ein ende? wie kann man gleichzeitig unglaublich glücklich und unglaublich verzweifelt sein? ich bin müde, aber ich mache weiter…

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