Verfasst von: kopfgefickt | 15. Mai 2011

traumhaft.

einer dieser partyabende bei irgendwem. sie kennt das zimmer nicht, in dem die gruppe sitzt. der alkoholpegel ist noch nicht so hoch, dass es ausfälle geben würde. im gegenteil. die unterhaltungen sind tiefsinnig. politische themen kommen auf. integration. die arabische welt. demokratie. religion. tradition. ihr thema. sie hat was zu sagen zu diesem bereich. sie kennt sich aus.

plötzlich hört sie eine bekannte stimme hinter sich. “du kennst dich gut aus.” “zwangsläufig.”, antwortet sie, ohne sich umzudrehen. “ich wollte das alles nicht.” jetzt dreht sie sich um. er. das geliebtgehasste gesicht. er lächelt sie an, seine augen sind traurig. der raum verschwimmt. sie sind allein. “ich wollte dir nicht wehtun.”, sagt er. “du hast es vielleicht nicht gewollt, aber in kauf genommen.”,  antwortet sie mit einer stimme, deren festigkeit sie selbst überrascht.

“ich habe es wirklich versucht”, sagt er. “nein. dann hättest du vieles anders gemacht.” er nimmt ihr gesicht in beide hände. sie fühlt, wie das wasser sich in ihren augen sammelt und eine träne ihre linke wange herunter rinnt. “nicht weinen. nicht meinetwegen.” sie sieht ihm fest in die augen. “in den letzten 12 monaten habe ich nur deinetwegen geweint. und es hat dich nicht interessiert.” “das stimmt nicht. ich wusste nur nicht, wie ich es ändern kann.” “du hättest einfach nur ehrlich sein müssen.”

er nimmt sie in den arm. der vertraute duft seiner haut raubt ihr die sinne. “ich kann mich ändern.” seine stimme flüstert verheißungsvoll.” “nein. kannst du nicht. du weißt es, ich weiß es.” “aber wir hatten doch auch schöne zeiten.” “einen monat von neun. ansonsten stress, vorwürfe, diskussionen, wochenlanges nichtmelden und stänkern. verletzungen. nein.” “aber liebst du mich nicht mehr?” “ich weiß es nicht. aber ich weiß, dass ich mich liebe und mir sowas nicht nochmal antun werde.”

in diesem moment löst er sich in luft auf. sie sitzt wieder in dem raum der party. die leute reden immer noch. niemand bemerkt die trocknenden tränen auf ihrem gesicht. lächelnd nimmt sie einen schluck. ihr herz fühlt sich an, als hätte jemand ein vorhängeschloss davon entfernt. “wollen wir tanzen?” fragt sie in die runde und lacht.

so einen traum nennt der psychologe wohl einen durchbruch.


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